Bioprodukte, Nischenstrategien und Marktsegmentierung

Das Pfiffige ist, dass das Milliarden-Dollar-Umsatz-Unternehmen Amazon durch den Kauf einer Bio-Supermarktkette zur Markteroberung eine Nischenstrategie fährt [Bezug hier]. Der Markt für Bioprodukte ist nach mehreren Kriterien stark segmentiert. Dies ermöglicht Amazon das Fahren einer Nischenstrategie und dank massiver Überlegenheit im Prozesswissen zwangsläufig eine schnelle Markteroberung.

Keine Frage, Amazon ist ein kapitalkräftiges Unternehmen, aber entscheidend ist das Prozesswissen seit Anbeginn des Unternehmens. Denn mit Prozesswissen kannst du anfänglich Bücher verkaufen, später CD’s oder Elektronikprodukte (und dann alle Produkte)*. Einzelne Bausteine der Erfolgsstrategie hat Amazon vorher getestet, wie die automatisierten Stores. Das Unternehmen ist in anderen Nischenmärkten erfolgreich tätig geworden. Nun ist eine Nischenstrategie für einen Konzern eher ungewöhnlich.

Kleine Firmen dagegen nutzen Nischenstrategien klassischerweise schon immer. Zum Beispiel war eine kluge Sortimentspolitik immer schon auch eine Ableitung davon, ob man sich Produkte ins Sortiment holt, die andere (grössere) Anbieter nicht preiswerter anbieten. Als Kleiner kannst du in deiner Nische flexibel, profitabel und schnell reagieren. Auch von der Kostenrechnung her, hat der Handel immer schon mit Deckungsbeitragsrechnung gearbeitet und Prozesse entlang der Deckungsbeiträge gestaltet. Das ist auch für die kleinen Nischenanbieter nichts Neues.

Neu ist die informationstechnische Überlegenheit* der großen Handelskonzerne. Die kleinen Händler sollten nun nicht das Eintreten Amazons in den Lebensmittelmarkt beklagen, sondern vorrangig ihre IT-Kompetenz erhöhen und ihre vorhandene Flexibilität nutzen. IT ist dann auch für die kleinen Anbieter nicht mehr nur Buchführung, Fakturierung, sondern auch der Aufbau und Ausbau von Wissensdatenbanken und die Neugestaltung aller Prozesse.


* Zur informationstechnischen Überlegenheit der grossen Handelskonzerne (Wal Mart und Amazon).

Wal Mart hat – wie in vielen Fallstudien abgearbeitet [z.B. hier] – eine überlegende IT-Kompetenz. Amazon ist weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt nicht nur grosser IT-Nutzer, sondern auch ein großer IT-Anbieter.

Amazon ist der grosse Cloudanbieter und der grosse Anbieter von Cloud-Services AWS. Neben klassischen Infrastrukturdiensten, vulgo Server und Speicher zur Miete, gehören dazu etwa relationale und NoSQL-Datenbanken in der Cloud (RDS, DynamoDB), die Middleware Simple Queue Service (SQS) oder Elastic Beanstalk für das Deployment von Java- und PHP-Anwendungen.

++++++

“Prozesswissen als Erfolgsfaktor: Effiziente Kombination von Prozessmanagement und Wissensmanagement”, Corinna Engelhardt (Hrsg.)

 

Amazon kauft Bio-Supermarktkette Whole Foods und steigt in Amerika in den Lebensmittelhandel ein

 

Amazon kauft die Bio-Supermarktkette Whole Foods und steigt in Amerika motiviert in den Lebensmittelhandel ein. Das ist die grosse Nachricht von gestern. (Siehe hier.).

Amazon ist ja nicht nur “die Firma, bei der du online klickst und morgen ist das Päckchen da”. Sondern Amazon ist ein Gigant: 136 Mrd. $ Umsatz bei durchgängig optimierten Prozessen.

Für den Kaufpreis von Whole Foods immerhin stolzen 14 Mrd. Dollar erhält Amazon mit einem Schlag 465 Filialen und wird zu einem wichtigen Mitbewerber im stationären Handel in der real world. [Börsenwert Amazon rund 476 Mrd. Dollar – Amazon kann sich die 14 Mrd. für Whole Foods “also leisten”].

Man kann jetzt vielfältig analysieren. Fest steht aber: der oft [fälschlich!] totgesagte stationäre Handel hat weiterhin eine große Zukunft. Das ist eine Sache der Logik! Denn wenn der erfolgreichste Onlinehändler der Welt in den stationären Bereich vordringt, dann muß der stationäre Handel einfach Zukunft haben …

[1] Inside Amazon’s Battle to Break Into the $800 Billion Grocery Market, bei bloomberg

[2] Fortune zu dem big deal

[3] Zum Thema Automatisierung im Handel die Lebensmittelzeitung Ende April 2017, Mitarbeiter 4.0 Automatisierung gefährdet Handelsberufe”

[4] Amazon als Buchhändler in New York